Trotzphase: das ICH erwacht

Die Erziehung zur Selbstständigkeit

Ab dem 2. Lebensjahr erleben Eltern eine zunehmende Bereitschaft des Kindes zu Konflikten. Die „ICH“ Entwicklung findet statt. Das Kind entdeckt seinen freien Willen und erprobt seine Eigenständigkeit. Hierbei erlebt es immer wieder innere Konflikte zwischen Anpassung, an das was die Welt da draußen will und dem inneren Widerspruch dazu.

Für viele Erwachsene sind die Bestrebungen der Kleinen in dieser Zeit oft absurd und seltsam. Deshalb befürchten viele Eltern, dass durch ein zu häufiges Nachgeben die Eigenwilligkeit des Kindes wächst und für sie einen Autoritätsverlust nach sich zieht. Das Kind auf der anderen Seite, strebt nach Autonomie und Selbstständigkeit nach dem Motto „hilf mir es selbst zu tun.“

Geduld der  Eltern ist hier gefragt. Untersuchungen zeigen, dass die „Trotzreaktionen“ des Kindes umso heftiger sind, je strenger die Erziehung ist und das Kind kaum Wahlmöglichkeiten hat. Eine zu strenge Haltung wird vom Kind oft als Liebesentzug erlebt werden. Das kann dazu führen, dass das Kind sich in seinem Wesen nicht bedingungslos geliebt fühlt und lernt: „Wenn ich dies oder jenes tue werde ich geliebt, andernfalls nicht.“

5 Parenting-Hacks während der „Trotzphase“

1. Lasse Dein Kind bestimmte Dinge selbst entscheiden indem Du Wahlmöglichkeiten anbietest – nicht zu viele, sonst ist es überfordert und frustriert. Wahlmöglichkeiten geben Deinem Kind das Gefühl selbst entscheiden zu dürfen, obwohl Du die Alternativen vorgibst. „Möchtest Du diese oder lieber die andere Hosen anziehen?“. Es gibt natürlich Sachverhalte die indiskutabel sind z.B. Verhalten im Straßenverkehr.

Ermögliche akzeptable Alternativen und lass Dein Kind wählen

2. Achtung: Völlige Nachgiebigkeit  führt dazu, dass das Kind schnell lernt, „wenn ich nur lang genug nerve, brülle und trotzig bin, bekomme ich was ich will“. Einige Autoren sprechen von sogenannten Tyrannen, die durch grenzenlose Freiheiten und laissez faire Erziehung (Machen lassen was sie wollen) herangezogen werden. Gewisse Grenzen sind wichtig, sie erhöhen das Sicherheitsgefühl und geben Deinem Kind Halt und Struktur.

 Geregelte Freiheit und klare Ansagen geben Orientierung

3. Es ist wichtig, dass beide Elternteile sich einig sind, was erlaubt ist und wo es feste Grenzen gibt, andernfalls kommt es zu irritierendem Verhalten seitens des Kindes. Sprecht als Elternpaar über sich wiederholende Streitthemen und wie ihr GEMEINSAM in Zukunft reagieren und handeln wollt. Lasse Dein Kind spüren:

„Mama und Papa ziehen am gleichen Strang“

 

4. Informiere Dein Kind rechtzeitig, über die zuvor mit Deinem Partner besprochenen Regeln, damit das Kind es nicht als Willkür erlebt. Was passiert bei einem Regelbruch? An dieser Stelle ist nicht von Strafe die Rede, sondern von natürlichen Konsequenzen, die ein bestimmtes Verhalten nach sich zieht.

Welche Regeln gibt es bei uns? Was passiert, wenn ich mich nicht daran halte?

5. Begründe die Sinnhaftigkeit der aufgestellten Regel, wozu gibt es sie? Zum Beispiel: „Jeder räumt sein Geschirr in die Spülmaschine, und trägt somit einen Beitrag für das Zusammenleben in der Familie bei.“ Mama und Papa leben es vor und bestehen beide darauf. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, wenn es einem Mitglied einmal nicht so gut geht, übernimmt ausnahmsweise ein Anderer die Aufgabe. Das Kind lernt Mitgefühl und gegenseitige Unterstützung kennen.
Fallen Dir selbst keine sinnvollen Argumente für den Zweck der Regel ein,  ist es sinnlos sie einzuführen. Früher oder später wird Dein Kind sie Hinterfragen und wenn es keine Sinnhaftigkeit dahinter sieht, wird es diese nicht befolgen und Machtkämpfe sind vorprogrammiert.

Sorge dafür, dass der Sinn der aufgestellten Familienregeln allen klar ist.

Mehr zum Thema  „hilfreiche Regeln installieren“ und „natürliche Konsequenzen“ findest Du im Eltern-Coaching Schritt 6 und 8.

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